Ende 32. Woche: Zwergenkind

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Ärzte haben es total drauf, auch der selbstsichersten, ruhigsten werdenden Mama so ein richtig schönes schlechtes Gewissen zu machen. Panik!

Bei jedem Schritt in Richtung Baby fällt mir wieder ein, was es noch brauchen könnte. Mullwindeln zum Beispiel. Wozu genau? Woher soll ich das wissen? Ich hab noch kein Kind. Aber Baby-Shopping macht auch schlichtweg Spaß.

Ich befinde mich in einem großen Münchner Klinikum und bin heute zum Baby-Check hier. Ab der 20. Woche konnte man sich zur Geburt anmelden und genau zu diesem Zeitpunkt habe ich das auch gemacht. Damals (Mann, ist das lange her!) haben sie mir schon den heutigen Termin gegeben. Gut, dass ich mir immer alles aufschreibe. Sonst hätte ich das sicher verschwitzt.

Nach einer Viertelstunde Warten erscheint meine Nummer auf einem Display im Wartezimmer. Es ist wirklich wie auf dem Amt! Ich werde in ein Sprechzimmer gebeten und von einer Arzthelferin ausgefragt. Zu Krankheiten in der Familie, ob ich irgendwann irgendwelche Beschwerden hatte, Blutungen, ob ich Tabak oder Alkohol konsumiere (natürlich nicht!) und so weiter. Eine Runde Anamnese also. Ich beklage mein knirschendes Kreuzbein, das mir zur Zeit wirklich zu schaffen macht. Die Arzthelferin schreibt es auf, kommentiert aber nix. Mein absolutes Highlight: Ich werde gefragt, wie mein Baby mit Familiennamen heißen soll. Und ich buchstabiere den meines Freundes. So haben wir es ausgemacht und irgendwie ist das gerade wieder so ein “Oh-mein-Gott-wir-bekommen-wirklich-ein-Baby”-Moment. Danach werde ich wieder ins Wartezimmer entlassen. Überraschung: Ich muss nochmal eine Nummer ziehen. Das mache ich. Und warte wieder…

Das Wartezimmer ist ziemlich voll. Überall runde Bäuche, die ziemlich sicher alle aus dem gleichen Grund hier sind wie ich. Ich schaue mich verstohlen um und mutmaße mit welcher Mutti ich wohl auf einem Zimmer landen werde. Die meisten sind mit ihren Männern da. Ich nicht. Meinen Freund nehme ich nur mit, wenn er etwas zu Sehen oder Hören bekommt. Also ein Ultraschall gemacht wird, CTG oder eben was anderes Spannendes. Und bei dem Termin heute wusste ich ja gar nicht, was kommt. Das weiß ich auch dann noch nicht, als ich das nächste Mal aufgerufen werde. Von einem Arzt. Männlich. Herrje… Hoffentlich muss ich nicht auf den blöden Untersuchungsstuhl. Da würde ich ganz offensiv nach einer ÄrzTIN fragen. Sorry, aber was das betrifft, bin ich eigen. Allerdings stellt er mir erstmal nur Fragen. Danach geht’s zum Ultraschall auf die Liege. Der Monitor ist außerhalb meines Sichtfeldes. Schade! Der Doc vermisst mein Baby, erzählt mir, dass es sich zu 90 Prozent um ein Mädchen handelt und ist insgesamt ziemlich schnell fertig. Danach fragt er mich, ob meine Frauenärztin mir schon mal gesagt hat, dass mein Baby sehr klein ist. Er schätzt es auf 1781 Gramm. Laut meinen Apps ist das total normal. Aber der Kerl vor mir ist studierter Mediziner und wird schon wissen, wovon er redet. Er sagt, dass die Kleine sehr, sehr zierlich ist und dass man das beobachten müsse. Na toll! Und schon habe ich wieder etwas worüber ich mir Sorgen mache. Was soll das heißen? In drei Wochen soll ich wieder kommen, um zu kontrollieren, wie sie sich entwickelt hat. Er sagt auch, dass ich keinerlei Einfluss auf Größe und Gewicht meines Kindes habe. Völlig Wurscht, was ich esse, trinke oder mache. Mist! Das macht mir ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich natürlich denke, dass ich schuld daran bin, dass mein Baby nicht anständig wächst!

Wieder zurück im Wartezimmer google ich mir die Finger wund. Aber egal, wo ich auch nachschaue: Überall steht, dass mein Kind in dieser Woche um die 1,7 Kilo wiegen sollte. Und das tut sie. Also warum zum Henker verunsichert mich dieser Arzt so? Das ärgert mich richtig! Ein bisserl Wartezeit später werde ich ins nächste Zimmer gebeten - zum CTG. Ich liege 20 Minuten still auf der Seite, lausche dem galoppierenden Pony in meinem Bauch (den Herztönen meiner zu 90 Prozent Tochter) und grüble weiter über Babys Gewicht. In den 20 Minuten habe ich laut Krankenschwester eine mini-kleine Wehe, die ich aber nicht mal gemerkt habe. Zumindest das ist sehr vorbildlich. Wie sich der Rest weiter entwickelt? Da hilft wohl nur abwarten… Vielleicht esse ich vorsichtshalber doch einen Apfel mehr am Tag. Damit mein Zwergenkind groß und stark wird!

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