Ist das schon Alltag?

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Nach sechs Tagen im Krankenhaus sind wir wieder daheim. Und gewöhnen uns alle an einen neuen Alltag zusammen. Mama, Johanna, Papa und Baby Pauline. Ach ja. Und Regina, unsere neue Haushaltshilfe.

Das kann ich selbst: Der Püppi beim Kreidemalen zugucken. Dann hört es aber auch schon bald auf.

Die Krankenkasse zahlt uns eine Haushaltshilfe. Leider haben wir niemanden in der Familie oder dem Freundeskreis, der uns irgendwie unterstützen könnte. Unsere Eltern wohnen zu weit weg und sind selbst noch berufstätig, unsere Freunde stehen zum Glück alle in Lohn in Brot. Also kommt jemand Fremdes zu uns, der putzt, kocht und eben auch meine Großmaus aus der Krippe abholt und mit ihr auf den Spielplatz geht.

Mit dem letzten Punkt habe ich auch die größten Probleme. Frisch aus dem Krankenhaus entlassen, lasse ich es mir auch nicht nehmen, mit Baby im Tragetuch auf den Spielplatz zu humpeln. Im Schneckentempo. Aber hey! Die Mama ist am Start! Am Entlassungstag habe ich nochmal eine Spritze direkt in den Rücken ans Gelenk bekommen, damit die innere Schwellung und damit der Druck auf den Nerv noch schneller zurück geht und ich zackiger wieder bewegungsfähig werde. Nach all den Nadeln im Bein, Thrombose-Spritzen und Rücken-OP hat mir die überhaupt nichts mehr ausgemacht. Und das obwohl ich sonst echt ein Spritzen-Schisser bin.

Seit circa zwei Tagen habe ich das Gefühl, dass es wirklich wieder gut werden könnte. Dass ich wirklich wieder schmerzfrei und normal laufen kann. Wie ich das hinkriege mit der REHA, die schon in zwei Wochen startet, weiß ich noch nicht. Aber Dank Regina wird‘s schon irgendwie gehen. Sie ist ein Goldstück. Sie kocht fürs Abendessen vor, so dass wir bis ultimo auf dem Spielplatz bleiben können. Sie versucht sich wirklich lieb um Johanna zu kümmern. Da gibt es nur ein Problem… Ich mag sie nicht.

Was bin ich nur für eine undankbare Kuh! Aber ich komme nicht gegen das Gefühl an. Sie hat MEINE Tochter auf dem Arm und hilft ihr die Rutsche rauf. Ich darf nicht schwerer tragen als fünf Kilo. Da fällt das Baby gerade noch so rein. Meine Große ist mehr als doppelt so schwer. Aber trotzdem. Anzusehen, wie eine fremde Frau mit meinem Kind hantiert, fühlt sich falsch an. Falsch, falsch, falsch. In mir kocht die Eifersucht! Und dann erzählt mir diese Regina auch noch fröhlich, dass die anderen Kinder in der Krippe nach Johanna rufen wenn sie kommt: „Johanna, deine Mama ist da!“ Boah! Das ist zu viel. Tut mir wirklich leid aber das packt mein Mama-Herz nicht. Ich hab die gute Frau jetzt erstmal einkaufen geschickt. Ich muss mein Gemüt irgendwie runter kühlen. Und mir überlegen, wie ich damit die nächsten Wochen besser klar komme. Denn ich BRAUCHE sie wirklich. Und sie ist so lieb. Ich hasse mich für mein hässliches Gefühlsleben!

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